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Umwelt



Umbau "Eisenbahn-Wehr" auf der Fulda
In Paddler-Kreisen wird das Fulda-Wehr zwischen Löschrod und Ziegel "Eisenbahn-Wehr" genannt; die offizielle Bezeichnung ist "Ziegelmühlenwehr". Fische konnten das Sturz-Wehr nicht überwinden und die Befahrung mit Kajaks und Canadiern war - wegen des Tosbeckens - lebensgefährlich.

Ausgangssituation und Baubeschreibung:
Das südlich des Fuldaer Stadtteiles Bronnzell bei Fulda-Station km 188+385 gelegene Wehr diente der Überleitung von Wasser aus der Fulda, über einen Verbindungsgraben, in die Fliede und speiste ehemals die an der Fliede bei Station km 0+080 gelegene 'Ziegelmühle', welche nicht mehr in Betrieb ist.
Im Maßnahmenprogramm zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in Hessen (FISMaPro) wird gefordert, auch am "Eisenbahn-Wehr" die lineare Durchgängigkeit für aquatische Lebewesen wiederherzustellen (Maßnahmen-ID 69294) (HMUKLV 2016).
Nach eingehenden Diskussionen der aufgezeigten Lösungsvorschläge, wurde mit allen Beteiligten der Aufbau einer rauen Gleite mit Niedrigwasserrinne als zielführendste Lösung erachtet. Um auch den Wünschen des Kanu-Club-Fulda entgegen zu kommen, sollte bei dem Aufbau der Niedrigwasserrinne darauf geachtet werden, dass diese mit Kanus - insbesondere bei den internationalen Fulda-Kanu-Rennen - durchfahren werden kann. Hierbei ist jedoch darauf hinzuweisen, dass es klare Vorgaben für die Durchführung von Kanu-Wettkämpfen in dem Streckenbereich gibt. So wurde bei den Berechnungen berücksichtigt, dass diese erst ab einem Wasserstand von 100 cm am Pegel Hettenhausen ausgerichtet werden dürfen.
Unter dem Aspekt des Unterhaltungsaufwandes, als auch der Funktionalität, stellte der Aufbau einer rauen Gleite die zielführendste Lösung dar. Die Fulda weist aufgrund ihres Einzugsgebietes typischerweise große Schwankungsbreiten von Niedrig- zu Hochwasserabflüssen auf. Es wurde daher vorgesehen, eine gegenüber dem Gleitendeckwerk rund 30 cm tiefer liegende Niedrigwasserrinne mit Störsteinen anzuordnen, um in Trockenzeiten den Abfluss zu bündeln und die für die Fischwanderung erforderlichen Wassertiefen sicher zu stellen. Die Fulda im Planungsgebiet ist der Barbenregion zuzuordnen, so dass mittlere Fließgeschwindigkeiten in den Wanderkorridoren von 1,0 m/s sowie Energieeinträge von 160 W/m³ nicht überschritten werden sollen. Zudem sollen Fließtiefen von
ca. 0,50 m und Fließbreiten von mind. 0,70 m bei Niedrigwasser in dem jeweiligen Wanderkorridor sichergestellt werden (Anforderungen nach DWA-M 509).
Der Aufbau der rauen Gleite erfolgte aus autochthonem Steinmaterial, welches den
Anforderungen der DIN EN 13383 genügen musste. Die Zusammensetzung der Korngrößen ergaben sich aus den fachtechnischen Standsicherheitsnachweisen. Es wurden rund 650 to Wasserbausteine und rd. 190 to Block- und Riegelsteine in die raue Gleite eingebaut.
Die Ingenieurgesellschaft WAGU GmbH wurde Anfang 2016 durch den Magistrat der Stadt Fulda mit den Planungsleistungen beauftragt. Neben der Datenerhebung und Darstellung erster Planungsideen, erfolgte parallel unter Federführung des Tiefbauamtes der Stadt Fulda eine intensive Abstimmung des Vorhabens mit den zu beteiligenden Verbänden und Fachbehörden. Im Frühjahr 2017 wurden dann die Genehmigungsunterlagen bei der Unteren Wasserbehörde des LK Fulda mit der Bitte um Prüfung eingereicht. Parallel hierzu wurde durch den Magistrat der Stadt Fulda ein Antrag auf Kofinanzierung des Vorhabens aus dem Förderprogramm "Naturnahe Gewässer" gestellt. Die Plangenehmigung wurde Mitte Juli 2018 erteilt. Nach Vorliegen der Förderzusage wurde die Ingenieurgesellschaft WAGU mbH Anfang 2019 mit den erforderlichen Arbeiten zur Vorbereitung der Ausschreibung und Betreuung der Bauarbeiten beauftragt. Aufgrund der Ausschreibungsergebnisse wurde die Fa. Giebel Tief- und Straßenbau KG aus 36132 Eiterfeld als Auftragnehmer für die Wasserbaumaßnahme ausgewählt.

Bauausführung:
Am 21.10.2019 wurde die Baumaßnahmen durch die Firma Giebel gestartet. Der zuständige Vorarbeiter, Herr Schmelz, richtete mit seinen Mitarbeitern oberhalb des Sturz-Wehres und kurz vor der Eisenbahnbrücke "Fischsperren" aus Drahtkörben und Netzen ein.
Dann erfolgte das elektrische Abfischen. Etwa 170 Fische wurden mit Käschern aus dem Baubereich der Fulda gefischt und in einer Baggerschaufel gesammelt. Die größten Fische waren Barben, fast 50 cm lang. Aber auch Döbel, Bachforellen, Rotaugen, Gründlinge, Elritzen, Äschen, Bachschmerle und Groppen wurden "eingesammelt". Die Fische wurden dann oberhalb der Baustelle wieder ausgesetzt.
Nach dem Verfüllen des Kolks, unterhalb des Sturz-Wehres, haben die Mitarbeiter der Firma Giebel die Sohlgleite ab der Eisenbahn-Brücke kontinuierlich ansteigend aufgebaut. Auf einer Länge von 50 m musste ein Höhenunterschied von 1,00 m überbrückt werden. Etwa 850 to Wasserbausteine wurden entsprechend der Vorgaben eingebaut und eine Niedrigwasserrinne profiliert. Besonders aufwändig war der Bau der Querriegel; jeder Stein wurde quasi von Hand ausgesucht und den Planungen entsprechend eingesetzt. Mit dem Vorarbeiter Schmelz saß ein echter Könner am Bagger, der die Steine, wie bei einem Puzzle, passend platziert hat.
Am 31.10.2019 bekam die neue Gleite ihren letzten Schliff. Alles wurde für die Bauabnahme vorbereitet.
Der erste Bootstest auf der Gleite erfolgte am 01.11.2019 durch Joshua Piaskowski vom Kanu-Club-Fulda. Leider wies der Pegel in Hettenhausen nur einen Wasserstand von 85 cm aus. Daher war das Paddeln nur mit "Aufsetzern" möglich.
Aber bei einem Wasserstand > 100 cm sollte es klappen. Die Abnahme der Baumaßnahme erfolgte dann am 04.12.2019. Und nur 2 Tage später konnte bei einem Wasserstand von 127 cm eine gelungene Wasserführung festgestellt werden.
Quelle DKV, 10.12.2019 https://www.kanu.de/Umbau-Eisenbahn-Wehr-auf-der-Fulda-74077.html


(A)
Deutscher Kanutag führt Klimafonds ein
"Der Deutsche Kanu-Verband soll noch grüner werden“, war das Eingangsstatement des DKV-Präsidenten Thomas Konietzko zu Beginn des Deutschen Kanutages, des höchsten Gremiums des DKV, der am 6. April 2019 in Saarbrücken tagte. Konietzko richtete direkt zu Beginn des Kanutages den Blick in die Zukunft und stellte seine Visionen eines zukunftsorientierten Verbandes vor.

"Wir haben die Diskussion zur Zukunft des Verbandes zum genau richtigen Zeitpunkt begonnen. Im Moment wächst der Verband im Mitgliederbereich, im Wettkampfsport waren wir im Jahr 2018 so erfolgreich wie selten zuvor und unsere Aktivitäten im Freizeitsport begeistern unsere Paddler. Aber ob das in sechs Jahren immer noch so ist, kann niemand wissen", sagte Konietzko. "Aus diesem Grund wünsche ich mir, dass wir digitaler, grüner, kommunikativer und serviceorientierter werden."

Erstes grünes Projekt in der Umsetzung

Das erste Zeichen für den Klimaschutz setzte das Präsidium bereits in Saarbrücken. Der DKV wird durch die Einrichtung eines Klimafonds seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Dazu wurde die Reisekostenordnung überarbeitet, sodass Dienstreisende die Möglichkeit der freiwilligen Abgabe eines Klimaschutz-Beitrages haben. „Wir haben die Klima-Veränderungen im letzten Sommer deutlich gespürt und wollen zum Schutz des Klimas unseren Beitrag leisten“, so Konietzko. „Ebenso ermutigen wir auch unsere Landes-Kanu-Verbände, dieses neue Konzept zu übernehmen.“

Die vier Visionen
Dass der DKV zusammen mit seinen Landesverbänden und Vereinen bereits ein grüner Verband ist, stellte Konietzko in seinen Visionen aber ebenso heraus: „Müllsammelaktionen und naturbewusstes Paddeln gehören schon lange zum guten Umgang unserer Kanuten in der Natur. Wir wollen aber künftig noch intensiver von solchen Aktionen berichten und kommunikativer werden. Das bedeutet, dass wir uns im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit weiter professionalisieren, besonders im Hinblick auf die neuen Medien. Wir wollen außerdem in allen Bereichen digitaler werden. Das heißt zum Beispiel, eine einheitliche Software auf Landes- und Bundesebene einzuführen, womöglich bis hin zu den Vereinen. Eine Vernetzung unserer Systeme zwischen Homepage, elektronischem Fahrtenbuch und unserer App Canua gehört genauso in die digitale Fortentwicklung. Und was uns ganz wichtig ist: Wir wollen noch serviceorientierter werden, und zwar für unsere Mitglieder, aber auch für Nichtmitglieder, allerdings dann kostenpflichtig.“

Vizepräsidenten wieder gewählt
Insgesamt wurde über drei Ämter im Präsidium abgestimmt. Die Vizepräsidentin Freizeitsport Isa Winter-Brand (Wörth) und Vizepräsident Finanzen und Inneres Peter Ludwig (Biberach) wurden vom Kanutag einstimmig für vier Jahre wiedergewählt. Darüber hinaus wurde Berit Müller (Bremen) als Vizepräsidentin Jugend bestätigt. Damit ist die 23-jährige Bremerin die erste Frau in der Geschichte der Kanujugend im Amt der ersten Vorsitzenden.

Anpassung der Mitgliedsbeiträge
Mit Spannung wurde die Debatte zur Beitragserhöhung erwartet. In den letzten Monaten wurden im Verbandsausschuss mehrere Modelle einer Anpassung diskutiert. Die Delegierten des Deutschen Kanutages votierten am Samstag für den Antrag des Hessischen Kanu-Verbandes, der unter anderem eine Erhöhung des Beitrages für Erwachsene um 2,50 Euro auf 10 Euro vorsieht. „Ich bedanke mich im Namen des ganzen Verbandes für das entgegengebrachte Vertrauen der Mitglieder und Delegierten“, meinte Konietzko nach der Abstimmung am Samstag. „Eine solche Erhöhung ist immer ein sensibles Thema, aber ich bin guter Dinge, dass wir unseren Verband damit handlungsfähig für die Zukunft machen und unsere Visionen umsetzen können.“ Von den Mehreinnahmen soll auch ein Sportstättensicherungsfonds gebildet werden, mit dessen Hilfe Biologen, Wasserbauer oder Juristen eine Expertise zum Erhalt bestehender oder der Schaffung neuer Sportstätten beitragen können.

Mitgliederzuwachs auf über 122.000 Kanuten
„Paddeln ist einfach eine der schönsten Sportarten überhaupt, und das merken immer mehr Menschen in Deutschland“, meinte Konietzko, als er beim Kanutag auf die Entwicklung des Mitgliederbestandes einging. Der Bestand zum Ende des Jahres 2018 wies eine neue Rekordmarke auf. Im Deutschen Kanu-Verband und seinen 18 Landesverbänden sind ab Jahreswechsel offiziell 122.015 Kanuten organisiert. Damit ist der Mitgliedsbestand um fast 1.400 Paddler angewachsen. „Besonders in Zeiten der rückläufigen Mitgliedszahlen in vielen anderen Verbänden ist diese Entwicklung sehr erfreulich für den Kanusport“, fuhr Konietzko fort. „Wir müssen aber einen genauen Blick auf die Zahlen werfen. Und dabei ist festzustellen, dass die Mitgliederzahlen unter 18 Jahren rückläufig sind. Diesem Trend müssen wir uns als Verband entgegen stellen.“

Festabend im Schloss Saarbrücken
Nachdem die Arbeitstagungen beim Landessportverband Saarland am Samstagnachmittag beendet waren, folgte der Festabend im Saarbrücker Schloss. Das „Fest der Kanuten“ avancierte zum Abend der großen Ehrungen. Im Mittelpunkt standen die Deutschen Kanu-Polo Nationalmannschaften, Filmemacher Olaf Obsommer und die drei neuen Träger der goldenen Ehrennadel Klaus Anderweit (Präsident des Kanu-Verbandes Rheinhessen), Karl Uwe Ebert (Sportwart des Hamburger Kanu-Verbandes) und Rolf Krämer (Fachwart für Drachenboot des Kanu-Verbandes Nordrhein-Westfalen).
Sowohl die Damen- als auch die Herrenmannschaft im Kanu-Polo durfte sich bei den World Games 2017 in Breslau nach unvergesslichen Wettkämpfen über eine Goldmedaille freuen. Ein Erfolg bei den World Games, den sie bereits zum zweiten Mal in Folge schafften. Die Ehrung im Rahmen der Kanufamilie wurde daher zu einem zentralen Teil des Abends. Der Medienpreis des Verbandes ging in diesem Jahr an Filmemacher Olaf Obsommer, der für seine herausragenden Projekte, wie zum Beispiel seine jüngsten Filme über die den Kajaktouren nach Indien und Island ausgezeichnet wurde.
Der nächste Kanutag wird vom 22.-24. April 2021 in Hessen stattfinden. Quelle DKV
Marianne Stenglein, Referentin für Presse, 10.4.2019



Deutscher Kanu-Verband wieder Mitglied im Deutschen Naturschutzring
Der Deutsche Kanu-Verband (DKV) ist wieder Mitglied im Deutschen Naturschutzring (DNR), dem Dachverband der deutschen Natur-, Tier- und Umweltschutzorganisationen.
Ohne Gegenstimmen oder Enthaltungen stimmte die DNR-Mitgliederversammlung am Samstag, dem 26.11.2016 in Berlin dem vom DNR-Präsidium unterstützten Aufnahmeantrag zu.
Der DKV war bereits bis Ende des letzten Jahrhunderts Mitglied im DNR. Kontroverse Diskussionen zwischen Naturschutz- und Natursportvertretern führten dazu, dass das DKV-Präsidium einstimmig den Beschluss fasste, aus dem DNR auszutreten.
Mittlerweile sind diese Kontroversen aber beseitigt. Dies hob Ulrich Clausing, DKV-Geschäftsführer Freizeitsport, bei der Vorstellung des DKV den DNR-Mitgliedern gegenüber hervor. Er konnte auf eine Vielzahl gemeinsamer Projekte der Naturschutzverbände und des DKV, wie z.B. die Aktionen für den Erhalt der frei fließenden Donau, das gemeinsame Engagement gegen die Versalzung von Werra und Weser oder die Beteiligung an dem Projekt „Gewässerretter“ verweisen.
Auch der einstimmig wiedergewählte DNR-Präsident Prof. Kai Niebert betonte die Gemeinsamkeiten aller gesellschaftlichen Gruppen. Die Einteilung in Schützer und Nutzer sei nicht mehr zeitgemäß. Diese Aussage spiegelt sich auch in einem beschlossenen Leitantrag des DNR-Präsidiums, in dem ausdrücklich auch Sportverbände als Partner für echte Nachhaltigkeit genannt werden.
„Ich freue mich auf die zukünftige Zusammenarbeit mit dem DNR.“ kommentierte DKV-Vizepräsidentin Isa Winter-Brand die Wiederaufnahme in den DNR. „Gerade im Bereich Wasser gibt es vielfältige Aufgaben, die wir gemeinsam bearbeiten müssen und auch wollen!“ so Winter-Brand. DKV-Ressortleiterin Umwelt und Gewässer Petra Schellhorn sieht schon konkrete gemeinsame Aufgabenfelder: „Das Bundesprogramm Blaues Band Deutschland bietet eine große Chance, Naturschutzziele und Kanusportaktivitäten zu verknüpfen.“
Marianne Stenglein 02.12.2016


(A)
Gemeinsame Pressemitteilung der Spitzenverbände des Wassersports, der Wassersportwirtschaft und aus dem Tourismus
Düsseldorf, 26.01.2016
Gemeinsame Pressemitteilung
der Spitzenverbände des Wassersports,
der Wassersportwirtschaft und aus dem Tourismus

Branchenverbände befürchten Einschränkungen
für Wassersport und Wassertourismus
Anlässlich der Wassersportmesse boot 2016 in Düsseldorf drücken die Spitzenverbände des Wassersports, der Wassersportwirtschaft und aus dem Tourismus ihre Besorgnis aus, mit der Umsetzung des Bundesprogramms „Blaues Band Deutschland“ traditionelle Reviere schon bald nicht mehr nutzen zu können. Zugleich setzen sie sich für ein verstärktes
Miteinander von Wassersport und Naturschutz auf den deutschen Fließgewässern ein.
Zwar begrüßen die Verbände ausdrücklich den im Bundesprogramm „Blaues Band Deutschland“ unter Federführung des Bundesverkehrsministeriums (BMVI) und des Bundesumweltministeriums (BMUB) formulierten Ansatz, mit Renaturierungsmaßnahmen der Fließgewässer sowohl zu deren ökologischer Qualität als auch zu deren Freizeit- und Erholungswert beizutragen und neue Akzente bei der Hochwasservorsorge zu setzen, allerdings birgt er auch die Gefahr, dass das rund 2.800 Kilometer lange Netzwerk der nicht mehr für den Gütertransport genutzten Bundeswasserstraßen für den regionalen Tourismus und für den Wassersport verloren geht, falls es nicht gelingt, ökologische und wassersportliche Interessen miteinander in Einklang zu bringen und schnell die notwendigen Beschlüsse zu fassen. Schon kleine Störungen können diese Strecken, für die es keine Ausweichverbindungen gibt, großräumig lahm legen und das im Koalitionsvertrag der Regierungsparteien verankerte
Ziel der nachhaltigen wassertouristischen Entwicklung vereiteln.

Experten des Bundesverkehrsministeriums haben ermittelt, dass ein Teil der Schleusen schon bald außer Betrieb genommen werden muss, weil keine ausreichenden Mittel zu ihrer Unterhaltung und Instandsetzung zur Verfügung stehen. Dies hat Hafenbetreiber, Marinas und Wassersportvereine, aber auch anliegende Landkreise, Kommunen und Gewerbeverbände
alarmiert. Angesichts des Umstandes, dass zuletzt 120 Millionen Euro im Bereich der Wasser- und Wirtschaftsverwaltung des Bundes nicht verbraucht und daher ungenutzt zurück gegeben werden mussten, ist es für Wassersport und Wassertourismus nicht akzeptabel, dass gleichzeitig wichtige Schleusen aus angeblicher Finanznot verfallen. Viele wenig kostenintensive
und kleinteilige Maßnahmen an wassertouristisch genutzten Bundeswasserstraßen könnten unter Nutzung der vorhandenen regionalen Kapazitäten der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung umgesetzt werden und so zu Beschäftigung und regionaler Wirtschaftskraft beitragen. Zentrales Anliegen der Verbände ist, dass bei allen Maßnahmen zugleich auf die Optimierung der ökologischen und auf die Gewährleistung der verkehrlichen Durchgängigkeit der Wasserwege geachtet wird. Sie darf weder durch Rückbauten beispielsweise von Schleusen, noch durch Befahrungsverbote oder -beschränkungen gefährdet werden. Derzeit
gelten in Deutschland bereits über 900 unterschiedliche Befahrungsregelungen, die aus Naturschutzgründen erlassen wurden.
Die Verbände sind überzeugt, dass die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung mit einem erweiterten gesetzlichen Gestaltungsauftrag gleichermaßen mehr Naturnähe und Freizeit- und Lebensqualität, die Wassersport und Wassertourismus einschließt, schaffen kann und so mit wohnortnaher Erholung einen nachhaltigen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Die Verbände teilen die von Bundesverkehrs- und Bundesumweltministerium geäußerte Einschätzung, dass die seit Jahrzehnten mit der Verwaltung der Bundeswasserstraßen betraute Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes geeignet und kompetent ist, die Zukunftsaufgaben
„Renaturierung und Wassertourismusförderung“ wahrzunehmen. Ihr Gestaltungsauftrag muss dazu allerdings gesetzlich erweitert und mit Haushaltsmitteln ausgestattet werden.

Wassersport, Wassersportwirtschaft und Wassertourismus fordern daher weiterhin:
· Das vorhandene Bundeswasserstraßennetz muss in Gänze erhalten werden. Der Bund muss dazu die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes beauftragen und so mit Mitteln ausstatten, dass auch die wassersportlich und wassertouristisch genutzten Bundeswasserstraßen weiterhin unterhalten werden können. Der von Bundesverkehrsminister Dobrindt beim Bürgerdialog am 03.09.2015 angekündigte gesonderte Etat für Wassertourismus muss unverzüglich eingerichtet und so ausgestattet werden, dass die für Wassertourismus erforderlichen Einrichtungen an Bundeswasserstraßen erhalten und zukunftsfähig weiterentwickelt werden können.

· Das bereits mehrfach verschobene Wassertourismus-Konzept der Bundesregierung muss fertiggestellt und mit den Betroffenen diskutiert werden. Es dürfen im Vorfeld keine Maßnahmen ergriffen werden, die später mit Zielen des Wassertourismuskonzeptes nicht im Einklang stehen.

· Abschließend fordern Wassersport, Wassertourismus und Wasserwirtschaft eine angemessene Einbindung in das Bundesprogramm „Blaues Band Deutschland“. Hier muss die gleiche Beteiligungsmöglichkeit sichergestellt werden, wie sie Naturschutzverbänden längst eingeräumt wurde! Im Gegensatz zu den Naturschutzorganisationen wurden die Verbände aus Wassersport, Wassertourismus und Wassersportwirtschaft bisher nicht an den Beratungen beteiligt. Wassersport und Wassertourismus werden in vielfältiger Art und Weise ausgeübt. Alle teilen jedoch den Wunsch, dass das jeweilige Gewässer
einen möglichst naturnahen Zustand haben sollte. Gerade für Wassersportler sind naturnah gestaltete Gewässer attraktiv und von besonders hohem Freizeit- und Erholungswert. Der organisierte Wassersport, wassertouristische Anbieter und Wassersportwirtschaft haben deshalb bereits in der Vergangenheit erhebliche Beiträge zum Schutz und Erhalt naturnaher Gewässer geleistet.

Zum Hintergrund:
Der Wassersport und Wassertourismus gehört zu den Wachstumsbranchen in Deutschland und Europa. Rund 20 Mio. Deutsche verbringen jährlich Urlaub oder Freizeit rund ums Wasser. Laut Bundeswirtschaftsministerium sind 80 Prozent der 14- bis 70-jährigen an wassertouristischen Aktivitäten interessiert. Mehr als sechs Millionen Bundesbürger üben eine Wassersportart (Segeln, Motorboot fahren, Kanu/Kajak, Rudern, Tauchen, Wind- und Kitesurfen) regelmäßig in ihrer Freizeit und / oder während des Urlaubs aus. Hunderttausende nutzen die Angebote der Personenschifffahrt für erlebnisreiche Momente auf dem Wasser oder für Angel- und Tauchfahrten. Der Umsatz an maritimen Gütern und Dienstleistungen betrug 2015 1,82 Milliarden Euro, die ökonomischen Effekte liegen um ein Vielfaches höher. Städte und Gemeinden entwickeln ihre Wasserlagen. Die Regionen investieren in die Entwicklung des Wassertourismus. Mit seiner gut ausgebauten maritimen Infrastruktur sowohl an der Küste als auch im Binnenland hat sich Deutschland als wichtige wassertouristische Destination etabliert und bietet gleichzeitig weitere Wachstumschancen für die Zukunft. Zusätzliche Wachstumschancen ergeben sich vor allem im Binnenbereich. Deutschland verfügt über die größte zusammenhängende Wasserfläche in Europa mit naturnahen Erlebnisräumen und damit über eine große Attraktivität für in- und auch ausländische Touristen. Diese positive Entwicklung gilt es abzusichern und vorhandene
Wachstumspotenziale zu nutzen.
29.01.2016
Ansprechpartner beim Deutschen Kanu-Verband
Ulrich Clausing
DKV-Geschäftsführer Freizeitsport
E-Mail: ulrich.clausing@kanu.de
Tel.: 0203-99 75 9 - 30



(A)
Naturschutz beim Paddeln
Grundsätze:
Wir Kanusportler sollten alles daran setzen, dass von unserem Sport keine zusätzliche Belastung für die Natur ausgeht. Daher haben wir einige Ratschläge für Sie zusammengestellt, damit Sie unbeabsichtigte Störungen des empfindlichen Naturhaushaltes vermeiden können.
  1. Vermeiden Sie bitte alles, was Tiere stören oder auch nur beunruhigen könnte. Alle Feuchtgebiete sind von besonderer Bedeutung für das ökologische Gleichgewicht der Natur. Flachwasserbereiche, Uferzonen sowie angrenzendes Umland sind Brut- und Aufzuchtgebiete für viele Tiere und insbesondere für Wasservögel, deren Brutzeit sich von April bis Juli erstreckt. Halten Sie möglichst großen Abstand von Nestern und Nachwuchs führenden Wasservögeln. Sind Sie mit mehreren Booten unterwegs und müssen Sie ein Nest oder eine Vogelfamilie passieren, fahren Sie bitte weiträumig und zügig vorbei. Halten Sie die Boote eng zusammen, um die Störung möglichst kurz zu halten.
  2. Informieren Sie sich bitte vor Beginn der Fahrt, ob Ihr Weg durch ein Schutzgebiet führt. In vielen Bereichen unseres Landes sind Schutzgebiete ausgewiesen. Hier gelten besondere Bestimmungen zum Schutz der Tier- und Pflanzenwelt. In manchen Schutzgebieten ist das Befahren der Gewässer verboten (siehe auch Befahrungsregelungen). Die Beschilderung der Schutzgebiete ist vom Wasser aus nicht immer zu sehen. Schuldhafte Verstöße gegen Fahr- und Betretungsverbote hat der Gesetzgeber mit empfindlichen Bußgeldern belegt.
  3. Melden Sie Umweltverschmutzungen. Achten Sie besonders auf stinkende Schmutzwassereinleitungen, Ölfilme und wilde Müllkippen an und in der Nähe von Gewässern. Rechtzeitige Anzeige kann ein Gewässer vor schweren Schäden retten. Zuständig sind die örtlichen Polizei- und Umweltbehörden.
  4. Informieren Sie sich vor der Fahrt bitte über das Gewässer, das Sie befahren wollen. Dies sollte eine Selbstverständlichkeit sein, nicht nur aus Umweltschutzgründen sondern auch aus Sicherheitsgründen. Alle notwendigen Informationen erhalten Sie aus den DKV-Flußführern und dem aktuellen DKV-Sportprogramm. Natürlich enthalten diese Web-Seiten auch zahlreiche Informationen, (z.B. Befahrungsregelungen oder Mindestpegel).
  5. Vermeiden Sie eine Übernutzung. Wenn Sie bereits am Start erkennen, dass das Gewässer hoffnungslos übernutzt ist, dann sollten Sie auf die Befahrung des Gewässers verzichten. Eigenes Fehlverhalten kann nicht damit entschuldigt werden, dass andere die Natur noch stärker belasten.
  6. Kleine Gewässer verlangen eine besonders gute Fahrtechnik. Kleinflüsse sollten nur in kleinen Gruppen mit kleinen Booten befahren werden. Als Faustregel gilt: Alle Boote müssen ohne Grundberührung und Uferkontakt auf der Stelle wenden können.
  7. Überprüfen Sie vor Ort am Gewässer, ob der Wasserstand für Ihre Paddeltour wirklich ausreicht. Bei zu geringem Wasserstand können Tiere und Pflanzen im Flussbett unbemerkt geschädigt werden. Insbesondere kann der Fischlaich dann ersticken. Nach regenarmen Zeiten sind viele Gewässer nicht mehr befahrbar. Weichen Sie in einem solchen Fall auf einen größeren Fluss in der Nähe aus.
  8. Denken Sie schon bei der Anfahrt an die Umwelt. Bilden Sie Fahrgemeinschaften. Stellen Sie Ihren PKW bitte auf öffentlichen Parkplätzen und nicht auf Privat- oder Forstwegen oder sogar Gaststättenparkplätzen ab. Ist letzteres unumgänglich, dann fragen Sie bitte um Erlaubnis.
  9. Vermeiden Sie Uferbeschädigungen beim Start. Starten Sie Ihre Paddeltour nur von Ufern, an denen keine Schäden verursacht werden können. Starten Sie bitte nicht, indem Sie mit Ihrem Boot die Uferböschung hinunterrutschen. Dies zerstört nur das Ufer.
  10. Alle Flachwasser- und Schilfzonen bitte weiträumig umfahren. Sie stehen unter besonderem Schutz. Es sind wertvolle Laich- und Brutgebiete für Fische und Vögel und Standorte seltener Wasserpflanzen.
  11. Genießen Sie die Stille und Einsamkeit. Stören Sie nicht andere Leute, die wie Sie die Ruhe suchen. Vermeiden Sie Lärm und lautes Rufen.
  12. Rasten und Lagern zur kurzen Erholung ist nur an Plätzen möglich, an denen das Ufer nicht beschädigt werden kann.
  13. Das wilde Zelten ist in Deutschland fast überall verboten. Besonders gekennzeichnete Rast- und Lagerplätze für Wasserwanderer sind davon ausgenommen. In den Flussführern sind die besten Übernachtungsmöglichkeiten beschrieben.
  14. Nehmen Sie ihren Müll wieder mit und lassen Sie ihn keinesfalls an ihren Rast- oder Lagerplätzen liegen.
  15. Nehmen Sie beim Umtragen besondere Rücksicht auf Uferbefestigungen und Zäune. Umtragen an Stauanlagen ist nicht immer gestattet. Mancherorts wird es nur stillschweigend geduldet. Notfalls müssen Sie ihr Boot und die Ausrüstung über eine längere Strecke tragen.
    26.10.2015 Marianne Stenglein/Referentin für Presse/Grundsätze nach: DKV-Faltblatt "Naturbewußt paddeln

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