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Kanu Schwaben hat eine neue Jugendwartin
Jugendliche langfristig an den Verein zu binden, ist nicht immer leicht. An einem Vorstandskollegen, der sich ganz speziell darum kümmert, die Sparten und Abteilungen übergreifende Jugendarbeit zu managen, führt kein Weg vorbei. Die Kanu Schwaben haben schon immer Wert darauf gelegt, diesen Bereich mit Leben zu erfüllen und kompetente Jugendleiterinnen bzw. Jugendwarte zu ernennen. Ein Jugendwart sollte Lust haben, auf die Interessen und Bedürfnisse Jugendlicher einzugehen. Pädagogisches Geschick ist von Vorteil, ebenso wie Durchsetzungsvermögen, was die Belange der Jugendlichen im Verein betrifft. Das trifft alles auf Kathi Neumann zu. 
 
Interview von Marianne Stenglein mit Kathi Neumann

Liebe Kathi, wir sehen schon seit einigen Jahren, wie du dich – zusammen mit deiner Familie – aktiv bei den Kanu Schwaben einbringst. Nun hast du ab 1. Oktober 2021 das Ehrenamt offiziell übernommen. Verrate uns doch deinen Beruf, Alter und Familienstand und wie du zum Kanusport gekommen bist.
Zum Kanusport kam ich – mittlerweile 45 – mit 12 Jahren durch meinen Vater, der in der Kanuabteilung des TV1860 Fürth aktiv war. So standen für mich zuerst viele Wanderfahrten im Fränkischen auf der Agenda, später folgten dann zahlreiche Wildwasserausfahrten in Europa. Ich gehöre damit also ganz klar der Bongo-Fahrer Fraktion an. Mein größtes Talent war eine sichere Eskimorolle, denn die Boote seinerzeit waren kippelig und super schwer, so dass ein Ausstieg immer auch das schweißtreibende Bergen und Ausleeren desselbigen zur Folge hatte.
Da mein Vater sich gerne im Verein engagierte, spielte sich bald unser ganzes Familienleben im Bootshaus ab. Diese Zeit hat mich als Jugendliche sehr geprägt und auch meinen weiteren Werdegang bestimmt. Nach Sportstudium und dem Studium für das Grundschullehramt absolvierte ich ein Praktikum beim Kanumagazin in Stuttgart. Dort lernte ich nicht nur, ein Magazin zu machen, sondern auch das Rodeo- äääähhh Freestylepaddeln. Am Rande sei erwähnt, dass ich dort in der Redaktion auch meinen heutigen Mann kennenlernte.
Gemeinsam entschieden wir uns 2001 für Augsburg und den Eiskanal als neuen Lebensmittelpunkt. Durch unsere drei Kinder Kalle, Matti und Sam (14, 12 und 9) kamen wir schließlich mit dem Kanuslalom in Berührung.
Nachdem ich zuletzt mit 16 Jahren in Fürth das Amt des Jugendwartes bekleidete, komme ich 30 Jahre später nun erneut zu diesem Amt in Augsburg.
 
Was spornt dich besonders dabei an?
Für mich ist der Kanusport in seinen ganzen Facetten ein Modell, das einen durchs ganze Leben begleitet. Man kommt an die tollsten und entlegensten Orte, lernt verschiedene Kulturen und Menschen kennen. Daraus entstehende Freundschaften halten auch, wenn Lebenswege mal auseinander #gehen. Das alles kann sich aber nur entwickeln, wenn man entweder in eine verrückte Paddelfamilie geboren wird, oder eben eine gute Vereinsstruktur vorfindet. Ein Verein mit Trainern und Trainerinnen, die jede Woche mehrmals am Ufer stehen, die dich einbinden in eine Gruppe, die dir ihre Zeit schenken. Die auf Ausfahrten, sei es zum Wildwasserpaddeln in die Alpen oder europaweit auf Slalomwettkämpfe, große Verantwortung übernehmen, oder sich schlicht daran  erfreuen, wenn ein neues Mitglied in den Verein hineinwächst und seinen Platz findet. Dieses Engagement habe ich im Laufe meines Paddellebens von vielen Leuten erfahren und bin sehr dankbar dafür. Daher möchte ich, dass so viele Kinder wie möglich, und unabhängig von ihrer sportlichen Leistung, ihren Platz im Verein finden und einfach Spaß am Paddeln und der Gemeinschaft haben.
 
Wie gut ist die ehrenamtliche Tätigkeit vereinbar mit Familie, Arbeit und deinem Alltagsleben?
Da wie sehr nah am Eiskanal wohnen und meine Kinder fast täglich dort trainieren, vermischt sich das Ehrenamt mit meinen familiären Interessen stark. Auch im Rahmen meines Jobs als Grundschullehrerin am Roten Tor komme ich im Sommer immer wieder mit Klassen und Projektgruppen zu Veranstaltungen und Schnuppertagen an den Eiskanal. Es ist mir sehr wichtig, dass die Kinder in Augsburg schon als junge Schüler sehen können, welchen Stellenwert der Kanusport mit seiner besonderen Sportanlage in unserer schönen Stadt hat und dass die Wildwasserstrecke in der ganzen Welt berühmt wie berüchtigt ist.
 
Fühlst du dich vom Verein gut unterstützt?
Das offizielle Amt eines Jugendwartes alleine anzunehmen ist erst einmal sehr leicht. Aber um Kinder für den Kanusport zu interessieren, Veranstaltungen, Anfängerkurse, das wöchentliche Trainingsprogramm oder die Talentförderung zu organisieren, dafür braucht es ein ganzes Team. Beim KSA läuft die Jugendarbeit seit vielen Jahren vor allem im Slalombereich aufgrund der vielen engagierten Leute vorbildlich. Insofern setze ich mich ins gemachte Nest, hier kann man sich sehr viel abschauen und lernen. Im letzten Jahr lag unser Schwerpunkt vor allem darin, die Bereiche Slalom, Wildwasser, Freestyle und Boatercross für alle Kinder mehr zu verknüpfen und zugänglich zu machen. Und zwar in einer offenen Paddelgruppe für Breitensport- und Slalomkinder. Wir haben sie einfach mal »Wildwasserkids« getauft. Uns geht weniger um die schnellste Zwischenzeit, sondern um den gemeinsamen Spaß, schöne Ausfahrten und ungewöhnliche Aktionen wie den wieder ins Leben gerufenen Funslalom. Also alles, was es braucht, um den Spirit des Paddelns weiterzutragen. Und das ist natürlich Teamwork. Neben mir im Boot sind Merle und Hannes Kaiser, mein Mann Michi Neumann, Peter Kreps und Markus Pfister. Und damit nicht genug. Für die  Umsetzung haben wir in der Breitensportgruppe verlässliche Trainer und Trainerinnen gefunden, die mit Geduld und Liebe auf die Kinder eingegangen sind. Danke hier an dieser Stelle an Dea, Sören, Stefan, Peter und Schorsch für euren Einsatz im letzten Paddeljahr.
 
Obwohl Corona, habt ihr im vergangenen Jahr bereits einiges auf die Beine gestellt. Was steht für 2022 auf der Agenda?
Zuerst einmal versuchen wir das, was wir neu eingeführt haben, zu halten. Etwas einmal zu machen ist einfach. Was am Ende zählt, ist der lange Atem. Daran arbeiten wir. 2022 wird für die Augsburger Kanuwelt durch die bevorstehende Weltmeisterschaft ein sehr besonderes Jahr. Hier wollen wir natürlich den Verein unterstützen, wo wir können. In den Wintermonaten planen wir einen Erste-Hilfe-Kurs für alle Kinder und einen Paddelflohmarkt mit Filmabend im März, um, in Anlehnung an die Skibasare der Skiclubs, zu kleine Paddelsachen zu verkaufen und neue, passende Neos oder Paddeljacken für die nächste Saison billiger zu erwerben. Da erhoffe ich mir, dass viele Leute mitmachen werden. Auch für den Funslalom 2.0 haben wir schon einen Termin im Kopf und laden wieder alle Kanukinder, Eltern und Trainer ein, mitzumachen. Zukunftsvision wäre eine eigene Kinder- bzw. Jugendgruppe ins Leben zu rufen, die gezielt für Boatercross-Wettkämpfe trainiert. Vielleicht wird dann ja aus einem lustigen Funslalom mal der erste Augsburger Kinderboatercross. Wer Lust hat, an so einer Idee mitzuwirken, soll sich unbedingt bei mir melden.
 
Als Jugendwartin bist du für alle Ansprechpartnerin. Planst du auch ein regelmäßiges Treffen mit deinen Schützlingen (wenn Corona hier keine Probleme mehr aufwirft) und auch den Eltern, um neue Vorschläge, Änderungen, Verbesserungen von allen Seiten mit einzubringen?
Für Vorschläge und Kritik habe ich immer ein offenes Ohr. Nur wenn Bedürfnisse klar benannt werden, kann man darauf eingehen und etwas ändern. Der Kanusport verlangt von den Eltern schon beim Training mehr Einsatz, als es viele andere Sportarten erfordern. Sei es Boote tragen beim Anfängerkurs, gekenterte Kinder trocken legen oder auf Wettkämpfen das Catering mit zu organisieren. Die Eltern sind also oft dabei und man kommt schon im Rahmen des Trainings zu einem regelmäßigen Austausch. Da ich noch selbst Teil der Elternschaft bin, umso mehr.
 
Du hast ja einen aufgeschlossenen Vorstand, der dich bei deinen Vorhaben mit Sicherheit wieder voll und ganz unterstützt. Hast du Wünsche bzw. Vorschläge speziell im Hinblick auf die seit 1993 bestehende internationale Jugendbegegnung mit La Seu d’Urgell in Spanien?
Tatsächlich haben wir einen sehr aufgeschlossenen Vorstand, der immer ein offenes Ohr die Kinder betreffend hat. So kann es für meine Vorstellung einfach weitergehen …
Speziell für unseren Austausch mit La Seu könnte ich mir vorstellen, dass man in den kommenden Jahren neben den Slalomkindern vielleicht auch versierte Kinder und Jugendliche aus dem Wildwasserbereich mit einbindet und am Austausch teilnehmen lässt. Nach dem Corona die Reise des KSA nach Spanien nun schon das zweite Jahr zunichte gemacht hat, hoffe ich zunächst erst einmal, dass die Begegnung in 2022 endlich wieder stattfinden kann.
 
Wir bedanken uns für Dein Engagement und wünschen Dir viel Erfolg und Danke sehr für das Interview.
Marianne Stenglein, Referentin für Presse, Kanu Schwaben, 22.12.2021


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